Ansichten und Einsichten 55 – Kollegin nervt


In den kurzen Beiträgen
geht es um praktische
Beispiele aus dem Alltag

einer Beraterin und Trainerin über erlebte Missverständnisse und schwierige Situationen. Hier gebe ich konkrete Anregungen für Verhaltensmöglichkeiten, wie mit Respekt, Wertschätzung, Humor und (angeleitetem) Erfahrungsaustausch einfühlsame Kommunikation und konstruktive Intervention möglich sind.

Über Ergänzungen und diskussionsfreudigen Austausch freue ich mich jetzt schon!

Beiträge, die nicht veröffentlicht werden
sollen, bitte entsprechend anmerken!

  Wie sag ich’s?
Für ein konstruktives Miteinander

Coachperson
Foto: Alexandra Grill

 

Ansichten & Einsichten 55
Worum geht’s?
„Ich habe eine Kolllegin, die immer alles besser weiß. Sie belehrt nicht nur mich, sondern auch die anderen Kolleginnen. Sie merkt gar nicht, dass sie nervt. Andere Meinungen und Ansichten lässt sie nicht gelten. Ich bin schon ganz verzweifelt. Sie meint, alle anderen müssten das tun, was sie für richtig hält, weil sie jahrzehntelange Erfahrung hat.“
Ich lade die Kundin nun zu einem Experiment ein. Wir versuchen, eine von ihr mit der Kollegin erlebte Situation „nachzuspielen“. Da sie die Argumente ihrer Kollegin gut kennt, soll sie dieselbe darstellen. Ich versuche, bei diesem Gespräch genau hinzuhören und mit aktivem Zuhören zu reagieren. Das bedeutet, dass ich mit einer ernsthaften und wertschätzenden Haltung ihr Wissen und ihre Erfahrung erfragen und verstehen möchte. Beispiele: „Könnten sie mir anhand einer Begebenheitl verständlich machen, was sie genau meinen?“ – „Ich habe die Anregung jetzt so verstanden.“ – „Haben sie das so gemeint?“ – „Ich habe den Eindruck meine Fragerei nervt sie.“ Bei der Nachbesprechung zu dieser Gesprächssituation kann ich der Kundin vermitteln, dass sie mit der Körpersprache ablehnende und abwertende Signale aussendet. Ihre Kollegin versucht daher möglicherweise, durch detaillierte Erklärungen im Befehlston lautstark ihre Kompetenz zu vermitteln. Mein Ernst-Nehmen und Verstehen-Wollen hat die Kundin in diesem klärenden Gespräch als hilfreich erlebt. Sie wird versuchen, mit wertschätzender Haltung und aktivem Zuhören die Kommunikation von sich aus konstruktiver zu gestalten.
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121. Episode aus meinem Leben – Abzocken


121. Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

 

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Ich bin ein Pensionist und nach dem Frühstück noch immer nicht komplett angezogen. Ich sitze an meinem Mac und lese meine Mails.

Da bekomme ich einen Anruf. Microsoft ist am Apparat. Als ehemaliger Exportmanager spreche ich fließend Englisch und verstehe sofort den Satz  „Open your computer!“, der mir in entschlossenem Befehlston entgegenschallt. Mit etwas Verzögerung öffne ich meinen Laptop. Mein Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung wird gleich ungeduldig.

Ich verstehe, dass ein Telefonat aus dem Ausland erhebliche Spesen verursacht. Endlich geöffnet zeigt man mir aus der Ferne, wieviele Fehler darauf zu finden sind, die von einem Hacker-Angriff rühren. Zuerst werden einige hundert sichtbar, die sich in kurzer Zeit auf tausende, abertausende vermehren. „Besides of the missing Firewall the computer system is not lisenced.“ Da ich mir über die Rechtmäßigkeit meines Betriebssystems im Unklaren bin – ich habe den Computer nicht selbst aufgesetzt – steigt meine Besorgnis ins Unermessliche. Man verlangt von mir, die Angelegenheit mit einer Einmal-Zahlung in der Höhe von € 250 in Ordnung zu bringen. Aus Kulanz-Gründen würde man mir die eingesetzte Summe später wieder refundieren. Der genannte Betrag wäre mit XBOX-Guthabenskarten zu bezahlen. Wie in Trance gebe ich mein Einverständnis. Ich bin von den unvermittelten Eindrücken, verstäkt durch die an den Tag gelegte Eile, ganz benommen, wie hypnotisiert. Man erkundigt sich, wieviel Minuten das nächste Geschäft entfernt wäre, wo solche Guthabenkarten gekauft werden können.

Ich ziehe mich an, und begebe mich auf den Weg, für den ich 10 Minuten angegeben habe. Das erste ins Auge gefasste Geschäft hat keine solchen XBOX-Karten, das zweite nur solche in 10-Euro-Einheiten und von denen viel zu wenige. Beim Libro gibt es auch nicht mehr. Erst beim Spar kann ich zehn XBOX-Karten zu je 25 Euro kaufen.

 

Betrug Zahlungsmittel
Nach einer halben Stunde – die zeitliche Verzögerung wird gar nicht angesprochen – zurückgekehrt, gebe ich auf Anweisung die zehn 25-stelligen Codes ein. Betont wird, dass alle diese Codes auf Anhieb richtig sein müssen. Zwei von ihnen sind es nicht, so wird behauptet. Sie seien bereits abgelaufen, weil bereits anderswo verwendet. Jetzt kommen mir erstmals – was bin ich doch für ein Trottel – Bedenken und bald auch die Gewissheit, dass ich Betrügern auf den Leim gegangen bin. Man bekniet mich, noch einmal Karten für 250 Euro zu kaufen. Jetzt weigere ich mich. Nach einigen Argumenten, dies doch zu tun, wird das Gespräch abgebrochen und abschließend mein Computer aufgrund meiner Weigerung lahmgelegt. Ich kann ihn nicht mehr auffahren.

Aufs Äußerste bestürzt wende ich mich an meinen Freund, den Computer-Experten. Zu meiner Erleichterung macht er mir – wie peinlich ist mir doch das Vorgefallene – keine Vorwürfe zu meiner Leichtgläubigkeit. Er bringt meinen Computer wieder zum Laufen und schützt ihn mit einem kompromisslosen Firewall. Meine Freude darüber lässt die Scham über mein idiotisches Verhalten in den Hintergrund treten.

Die Gangster versuchen noch einige Male meine Notlage auszunützen. Offensichtlich sind sie davon überzeugt, dass mein  Laptop noch immer nicht funktionert. Sobald ich jedoch bei einem Anruf Englisch höre, lege ich auf und lasse mich auch dadurch nicht beeindrucken, dass man mein Google-Passwort andauerntd ändert. Ich beantrage jedes Mal sofort ein neues. Bald ist Google hellhörig geworden und informiert mich, es würde mein Passwort vor Angriffen von außen schützen.

Mein Freund hat mich davor bewahrt, weiterhin abgezockt zu werden. Durch dieses eindrucksvolle Ereignis – immerhin hat es mich in Summe 250 Euro gekostet – bin ich vielleicht nicht klüger, aber doch bedeutend vorsichtiger geworden.

120. Episode aus meinem Leben – Zölibat


 

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Im Juvenat der Serviten in Innsbruck bin ich durch dicke Klostermauertn geschützt. Es gibt Kontakte mit der Außenwelt, aber die Lebenserfahrung wird nicht wirklich gefördert. Eskapaden wie jene, die Gleichaltrige sich leisten, sind für mich und meine Kollegen unmöglich. Im darauf folgenden Noviziat und Klerikat des Ordens gibt es überhaupt strenge Richtlinien. Die sind keine Vorbereitung, sondern ein Handikap für eine normale Entwicklung zu lebenstüchtigen Menschen. Die Redensart „Menschen wie du und ich“ kann für mich nicht angewandt werden. Die Versetzung nach Italien lässt mich eine neue Sprache lernen, ändert aber nichts am Zustand der verordneten Menschenscheu. Praktische kulturelle Ereignisse wie öffentliche Theateraufführungen oder Konzerte sind tabu. Gesellschaftspolitik ist kein Thema, man hält uns sogar davon ab, Tageszeitungen zu lesen. Die politische Partei ist vorgegeben und bedarf keiner Diskussion.

Unkonventionelle Erfahrungen sammle ich nur mit meiner Wissbegierde und der mir angeborenen Lebensfreude. Daher fühle ich mich nicht einsam oder benachteiligt. Mit Ideen, die durch meine Kloster-Oberen nicht beeinträchtigt werden, presche ich vor und erwerbe mir die Hochachtung meiner Schulkollegen und – man staune – Mitschülerinnen. Meine Zielstrebigkeit und Beharrlichkeit, eine Jugendzeitschrift herauszugeben, geben mir das Profil eines ziemlich unabhängigen Sprechers, der begeistern kann. Und obwohl außerschulische Kontakte mit Mädchen und Frauen verpönt sind, habe ich sie trotzdem, geschickt wie ich bin. Wie kein anderer meiner Schicksalsgefährten bin ich also auf ein Leben außerhalb klerikaler Gelübde vorbereitet.

Aber … Mit 27 Jahren befreie ich mich – ich gebe es zu – vor allem wegen des Zölibats von diesen Fesseln und beginne ein neues Leben, in dem ich mich, unbeeinflusst durch die bisher üblichen Einschränkungen, entwickeln will, darf und kann. Nach extrem kurzer Zeit des Flirtens heirate ich eine nette Kollegin. Selbstbewusst, wie ich bin, will ich in meiner neuen Lebenssituation nicht wahrhaben, dass ich so gar keine Erfahrung im Umgang mit Frauen habe. Das wirkt sich vernichtend auf unsere Beziehung aus. Bei meinen späteren beruflichen Italienreisen logiere ich in Mailand immer im selben Hotel. Dort treffe ich regelmäßig eine Frau. Als ich jedoch in meiner Firma nicht mehr für Italien zuständig bin, hat das ab sofort ein abruptes Ende. In den muslimischen Ländern des Mittleren Ostens gibt es dafür auch keinen Ersatz und meine Arbeitskolleginnen in Wien und Europa sind für mich tabu.

Nur in der beruflichen Umgebung kann ich zeigen, wie weltoffen ich bin. Nonchalant begegne ich meinen Kunden in den fremden Ländern. Mit harmlosen Witzen unterhalte ich meinen Kollegenkreis. Mit Stolz präsentiere ich die Ergebnisse aufwendiger Projekte. Bestimmt trete ich als Betriebsrat gegenüber unseren Vorgesetzten auf. Im geschäftlichen Umfeld bin ich in meinem Element. Hier fühle ich mich durch meine extrem katholische Vergangenheit nicht beeinträchtigt. Ich bin es auch nicht.

Nur meine Tochter hält mich davon ab, die Familie zu verlassen. Hier bin ich bald nach ihrer Geburt das fünfte Rad am Wagen. Ich entspreche – wohl aufgrund meiner Beziehungsunfähigkeit – den Vorstellungen meiner Frau nicht. Eine Erbschaft macht meine Frau von mir und meiner finanziellen Unterstützung unabhängig. Diese will sie nicht verlieren, mich hingegen gern. Erst jetzt, 18 Jahre nach unserer Eheschließung, kann ich nicht anders, als mich zu trennen. Es hatte schon lange keine Verbindung und nur mehr Missverständnisse zwischen uns gegeben.

 

Vorher

Abschied

Nachher

Beginn

Das Alleinsein währt nicht lange. Ich lerne eine eine bezaubernde Frau kennen. Nur ihre liebevolle Zuwendung und meine Angst, diese Beziehung zu verlieren, bringen mich dazu, ihre Vorschläge ernst zu nehmen und zu reflektieren, was mich von den Vorstellungen der „Menschen wie du und ich“ trennt. Meine neue Partnerin leistet viel Überzeugungsarbeit und ich versuche, ihre Empfehlungen ernst zu nehmen. Oft verwende ich den Ausspruch „Du gfollst ma“, wenn mich ihre Aussagen verblüffen. Manchmal sind diese so fremd für mich, dass ich mich urplötzlich in Schweigen hülle und aus dem Zimmer gehe. Aber ein Aufgeben gibt es nicht, weder für sie noch für mich. Deswegen beginne ich auch eine Psychotherapie. Ich fange damit an, mich für Politik zu interessieren, Theater, Konzerte und andere Veranstaltungen öffentlichen Interesses zu besuchen. Sogar Tanzkurse stehen am Programm. Aus dem Auseinanderleben in meiner ersten Beziehung wird ein Zusammenstreben in dieser neuen. Das ist für mich sehr beglückend. Trotzdem tauchen in meiner Beziehung immer wieder Verhaltensmuster aus meiner Vergangenheit auf.

Kommentare von:
Alois:
„Uns beide verbindet viel mehr als nur eine bloße Klassenkollegialität. Wir beide waren beseelt vom Gedanken, Priester zu werden. Du und auch ich sind dann „vom Weg abgekommen“. Es war „nicht so sehr“ (spätere Korrektur: „doch“) das vielgescholtene Zölibat, auch nicht irgendwelche materiellen Vorstellungen. Vielmehr war es eine Beobachtung im Kloster. Die Einsamkeit erschreckte mich, in Kontakten zu den Pfarrern draußen ergab sich letztendlich das gleiche Bild: der so aktive Pfarrer mit Jugendarbeit, Hochzeiten und Taufen, Hochämtern und Prozessionen, als Tröster der Kranken und Sterbenden, als Beichtvater und Ratgeber der Verzweifelten… Abends war er als „Rentner“, der die mit ihm gleichzeitig zurückgekehrten Chorherren nach vierzig Jahren draußen nicht mehr kannte, allein in seinem kargen Zimmer. Was fehlte, war die Geborgenheit einer Familie, die Nähe einer vertrauten Frau. Ich konnte mir ausmalen, wie es ist, so allein zu sein. Da hilft auch keine noch so große Hingabe an Jesus, Maria und Gott. Mit einem Mal wusste ich: du wirst ein Leben in Einsamkeit verbringen, kannst dein Innerstes niemandem anvertrauen, empfängst vielleicht Verständnis bei den Mitbrüdern, aber nicht aufrichtige Liebe.“

Michael Heltau (Zitat aus: Die Presse – Spektrum – 24.11.2018)
„Ich hätte die Beziehung immer über den Beruf gestellt.“

 


 

Episoden aus meinem Leben – Ausschnitt

4. Splitter – Wer kennt die Namen der unterstrichenen Personen?

TeamworkDie 1793 gegründete Papierfabrik Klein-Neusiedl wird im Jahr 1870 zur Neusiedler AG und im Jahr 2002 zur Mondi Business Paper. Ich bin dort seit 1970 beschäftigt und seit 1991 Betriebsrat.

Die Funktion als Betriebsrat beginnt für mich mit Zögern, da sie mir von meiner Vorgängerin so geschildert wird, dass da ohnehin nichts zu tun ist…
Das Warten lohnt sich. Betriebsrat zu sein entpuppt sich mit der Zeit als zeitraubendes, aber sehr interessantes Projekt für mich. Langsam wachse ich da hinein und jetzt bin ich so richtig involviert in die Agenden des Betriebsrats, der derzeit österreichweit immerhin so um die tausend Mitarbeiter vertritt …

Meine Betriebsratskollegen Christian, der Ruhige, Beständige in Theresienthal und Manfred, der Forsche, Angriffslustige in Kematen wollen eine Betriebsratszeitung ins Leben rufen und sprechen mich darauf an. Ich bin gerne und mit vollem Einsatz dabei …

Der Fabriksdirektor gestattet, dass die Mondi-Hausdruckerei die vielen Exemplare für die gesamte Belegschaft druckt, und setzt so ein Zeichen guten Willens. Natürlich verhalten auch wir uns kooperativ und stellen uns als Sprachrohr für den CEO und den CFO, also für den General- und den Finanz-Direktor, zur Verfügung. Gleichzeitig machen wir jedoch auch die Bedenken genauso wie die Verbesserungsvorschläge unserer Betriebsrats-Vorsitzenden publik.

Welsersheimb Wir berichten über die jährlichen Jubilarfeiern, bei denen 25, 30, 35 und 40 Jahre Firmenzugehörigkeit gefeiert werden. Und es ist mir eine gewisse Genugtuung, dass ich zusammen mit dem Chief Executive Manager meinem unmittelbaren Chef aus Wien zu seinen 35 Dienstjahren gratulieren darf, wovon wir auch ein Bild im „Teamwork“ veröffentlichen. Einmal ist nicht er in der Position des Gönners, sondern ich der joviale Gratulant. Ich schätze ihn hoch, weil er sich uns Untergebenen gegenüber stets korrekt und unterstützend zeigt und, als Adeliger. der er ist, auch als solcher verhält …

 

Egon Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Leserinnen und Leser,
hier schildere ich – wahllos – Situationen und Episoden aus meinem Leben, die mir persönlich wichtig erscheinen und die für Euch – hoffentlich – unterhaltsam sind.
Da ich nichts zu verbergen habe, könnt Ihr auch Eure Freunde dazu einladen.
Das ist ein Auszug aus dem viel zu langen Original

117. Episode aus meinem Leben – Größenvergleiche


Episoden aus meinem Leben

117 Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel
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Seit einigen Wochen beeindrucken  mich Jugendliche, die mich als Mann von einem Meter achtzig mit ihren zwei Metern als klein erscheinen lassen. vor allem dadurch, dass es sich nicht nur um Burschen, sondern auch um Mädels handelt. Das erinnert mich an eine Begebenheit, von der mir meine Mutter erzählt hat.

 

In den Jahren 1932 bis 1939 ist sie in Matrei am Brenner im Hotel Krone als Stubenmädchen angestellt. Ihr oberster Chef ist Herr Stadler. Der ist ein Freund von Erzherzog Eugen, welcher oftmals bei Festlichkeiten in Matrei zu Gast ist. In der Tiroler Tageszeitung vom 9.Jänner 1955 – den Zeitungsartikel habe ich heute noch – wird kolportiert, dass es zwischen den beiden eine gewisse Rivalität bezüglich ihrer Körpergröße gab. Bei einer scherzhaft durchgeführten Messung zog Herr v. Stadler den kürzeren, er war genau um einen Zentimeter kleiner. Erzherzog_EugenBitte anklicken: Ausschnitt aus einer Original-Rede von Erzherzog Eugen
Sonst besteht zwischen den beiden ein beträchtlicher Unterschied: Herr v. Stadler ist Gastwirt und Schützenhauptmann in einer kleinen Tiroler Gemeinde. Erzherzog Eugen hat den Zunamen „von Österreich“, ist Habsburger, Feldmarschall der k.u.k. Armee und Hochmeister des Deutschen Ordens.

Das regt mich an, darüber nachzudenken, wann und wo ich in meinem Leben ähnlichen Situationen begegnet bin.

Wir schreiben das Jahr 1961. Ich bin zur Belohnung für einen Aufsatz, den ich im Rahmen eines österreichweiten Wettbewerbs für literarische oder bildnerische Leistungen eingereicht habe, zusammen mit acht anderen Preisträgern zu einer Rundfahrt durch unser Heimatland eingeladen. Bei den offiziellen Empfängen in den einzelnen Landeshauptstätten muss jemand von uns als Erwiderung auf die lobende Ansprache ein paar Dankesworte sagen. Der, dem diese Aufgabe zugedacht ist, verhaspelt sich bei der Auftakt-Veranstaltung im Wiener Ringturm grauenvoll. Wir anderen schauen uns an und ich melde mich spontan, beim nächsten Mal diese Funktion zu übernehmen. Da mir das tags darauf in Bregenz gut gelingt, bin ich nun dazu ausersehen, diese Rolle zu übernehmen. Zwischen hochrangigen Beamten, die uns für unsere Leistungen ehren, ist auch der Kärntner Landeshauptmann Herr Wedenig. Mit dem Rang des Einladenden steigt natürlich auch mein Selbstbewusstsein.

Der Pater General der Serviten Joseph M. Loftus aus den Vereinigten Staaten visitiert auch unser Kloster im italienischen Saluzzo. Was für einen Ordenspriester etwas ungewöhnlich ist: er raucht Zigarren. Er hat auch für uns welche mitgebracht.  Als er fragt, wer Interesse an einer hätte, hebe ich bescheiden und stolz zugleich meine Hand. Ich bin der einzige unter all den Italienern und Spaniern, der schon – allerdings nur ganz sporadisch – Zigarren gepafft hat. Also schenkt er mir – und nur mir – eine handgerollte Zigarre, die ich später ehrfürchtig und wegen der phänomenalen Qualität mit großem Genuss rauche. Meine „Kollegen“ bestaunen mich.

Im Laufe einer Amerika-Reise im Jahr 1975 komme ich, der Exportleiter einer Glasfirma, als der große Zampano nach Florida.  Ich werde von unseren Kunden umworben, zum Abendessen eingeladen und befragt, welchen Wein ich trinken wolle. Ich trinke zwar Wein und das gern, aber bei den Sorten kenne ich mich nicht so gut aus, außer dass ich einen Rot- von einem Weißwein unterscheiden kann. Irgendwo dazwischen liegt für mich der Roséwein. Da ich mich in einem edlen Restaurant befinde und nicht als kompletter Banause dastehen möchte, nenne ich eine Marke von Wein, die ich irgendwo aufgeschnappt habe: Châteauneuf-du-Pape. Ich bin sicher, dass es diesen sündteuren französischen Rotwein in Miami nicht gibt. Die Peinlichkeit jedoch wird mir gleich bewusst. Noch viele Male in meinem Leben geniere ich mich dafür.

Und – das Thema Körpergröße lässt mich nicht los –  Im Kurier vom 3. Februar 2017 ist Folgendes zu lesen:

Ein Mann namens Chandra Bahadur Dangi aus Nepal wäre mit seinen 54,6 Zentimetern Leibesgröße der kleinste Mann der Welt.

Als der größte hingegen wird der baumlange Sultan Kosen aus der Türkei bezeichnet. Er leidet unter einem Körperwuchs von 251 Zentimetern.

gross + klein
kostenfrei

115. Episode aus meinem Leben – Alfred’s Guglhupf


 

Episoden aus meinem Leben

115. Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

 

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Nicht mehr wegzudenken aus meinem Leben ist Alfred, seit er mich zu unserer Hochzeit im Jahr 1993 unverblümt warnte: „Lieber Egon, Du hast heute „Ja“ gesagt, das wirst Du noch oft sagen müssen, das Übrige wird ohnehin die Ina sagen“. Das gibt mir natürlich zu denken, denn ganz so abwegig scheint mir diese Aussage nicht zu sein.

Zu meinem 60. Geburtstag neun Jahre später hält Alfred wiederum eine launige Rede, in der er – welche Freude für mich – feststellt: „Sie fand einen graden Michel, und heißt seither Ina Biechl …“ Das „Biechl“ erfüllt mich mit Stolz und lässt damit Alfred noch näher an mein Herz wachsen.

Alfred Heinrich ist ein Freund meiner Frau. Und so werde auch ich zu seinem. Hinter seiner humorvoll sarkastischen Art verbergen sich langjährige Erfahrung und Weltoffenheit. Kein Wunder also, dass ich ihn schätze. Er ist der Autor mehrerer Bücher und Mitbegründer des Kabaretts „Die Giftzwerge“. Er ist ein Genie, das – von Gerhard Bronner als „der“ Satiriker entdeckt – zusammen mit Lore Krainer „kilometerlange“ Textzeilen für die Radiosendung „Guglhupf“ schreibt. Wer konzipiert mehr Kilometer? Doch wohl er! Genauso wie die beiden warten auch Peter Wehle und Kurt Sobotka auf seinen wöchentlichen Beitrag. Zusätzlich verfasst er viele Jahre jede Woche eine Kolumne für „Die ganze Woche“.

Mir öffnet Alfred ganz unbewusst die Augen, dass es neben meiner Arbeit als Exportmanager noch anderes gibt, wofür es sich zu leben lohnt. Wenn auch nicht sofort, gewinne ich doch mit der Zeit die Überzeugung, dass später einmal auch für mich ein Platz unter denen zu finden ist, die ihre Gedanken nicht nur aussprechen, sondern auch niederschreiben.

Im Kurzfilm „Herr Herbert“, in dem Alfred den selbstgefälligen, hochnäsigen „Herrn“ spielt und durch antifeministische Aussagen den Feminismus propagiert, darf ich – jetzt bereits als freigespielter Pensionist – zusammen mit meiner Tochter und unter der Regie meiner Frau eine Nebenrolle spielen. Dabei tauchen Erinnerungen an Rollen auf, die ich bei Theaterstücken in meiner Jugend gespielt habe. Immer mehr beschäftigen mich Wach-Träume, mit der erforderlichen Kreativität zumindest bescheidenen Erfolg zu erzielen.

Alfred Heinrich gibt mir die Möglichkeit, einen weiteren Schritt in diese Richtung zu machen. Er lässt mich eine ausgedehnte Powerpoint-Show zur Präsentation seines Buches“ Und ewig raunzen die Wiener“ erstellen und bei vielen seiner Lesungen an diversen Orten vorführen.

 

„Und ewig raunzen die Wiener“
(bitte Bild anklicken)

Alfred Heinrich

„Sympathie mit Frauen“
(bitte Bild anklicken)

Alfred Heinrich

Das und der engagierte Einsatz meiner Angetrauten erfreuen und überraschen auch seinen Verleger, der uns – wer hätte das gedacht – zu einem lieben Freund wird.

Neben dem Ansporn durch viele Sympathisanten, insbesondere die Motivation durch meine Frau Ina, habe ich es vor allem der inspirierenden Anerkennung von Alfred Heinrich zu verdanken, dass ich beginne, „Gschichterln“ zu schreiben. Schließlich lande ich bei den „Splittern“, in denen ich – meinen Fähigkeiten und Schwächen angepasst – Episoden aus meinem Leben schildere.

kostenfrei

101. Episode – italienisch naturalisiert


101. Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

 

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Offset_Druck
Am 11. April 1967 veröffentlichen wir eine Festschrift zur Eröffnung des Klerikats der Diener Mariens in der prächtigen Basilika von Superga bei Turin durch den Pater General Loftus aus Amerika. Diese einmalige Jubiläumsausgabe ist das Resultat einer begeisterten Zusammenarbeit all jener von uns, die das hoch geschätzte Priesteramt anstreben, aber noch nicht erreicht haben.

Wir arbeiten intensiv an der Fertigstellung dieses Werkes. Den Umschlag bedrucken wir sechsfarbig nach der Zeichnung unseres bildnerischen Künstlers mit einer Offset-Presse. Das ist zeitaufwendig aber schweißt unser Team zusammen. Nicht weniger langwierig ist das Schreiben, Zeichnen und Hektographieren der 52 Innenseiten. Wir machen das mit großem Eifer, weil hier jeder von uns seine Idee zum gemeinsamen Thema der Verehrung des Herrn und Gottes präsentieren darf. Diesmal habe ich als Kloster- und Konvents-Fotograf dabei nichts zu tun.

Aber einen Beitrag dazu soll auch ich leisten. Selbstbewusst traue ich mich darüber, fünf Seiten in Italienisch zu verfassen. Unter dem Titel „rinnovere ritornando“ und mit der Unterschrift Frater Clemente M. Biechl mache ich das Konzils-Dekret „Perfectae caritatis“ zum Thema.

Die übrigen Beiträge konzentrieren sich darauf, bestehende Publikationen theologisch oder wissenschaftlich zu beleuchten. Auch ich mache das, aber ich rede hier als „ich“. Das stellt sich in der Essenz dar wie folgt:

Den Satz „Christus ist das Symbol der Keuschheit“ kommentiere ich: „Ich, im unablässigen Versuch, ein keusches Leben zu führen, verhalte mich wie er, frei von ehelichen Banden, frei für den Dienst an Gott Vater und für alle Menschen …“

Die Aussage „Christus ist aus Liebe zu uns arm geworden“ interpretiere ich: „Mit dem Gelübde der Armut befreie ich mich mühsam und allmählich von den weltlichen Gütern, um Christus trotz der Welt, die auf der unablässigen Suche nach materiellen Werten ist, zu folgen …“

Die Botschaft „Christus hat die Natur eines Dieners angenommen, um den Willen des Vaters zu erfüllen“ lässt mich sagen: „Ich versuche – eine äusserst schwierige Aufgabe – mich dem Willen meiner Vorgesetzten zu unterwerfen, die für mich die Vertreter Gottes sind …“

Als Nachwort füge ich hinzu: „Hier habe ich einzig und allein von meiner Situation, von meiner Ansicht zu diesen Problemen gesprochen.“

Da es sich hier um eine hochoffizielle Festschrift handelt, erwartet man sich gerade in diesem Zusammenhang keine Späße. Trotzdem haben wir – im Vertrauen auf die Freizügigkeit unserer Vorgesetzten – unter dem Titel „CINEMA“ couragierten Humor – im Original und in deutscher Übersetzung – gezeigt.

Nel convento …………….. Nessuna paura delle suocere
Im Kloster…………………. Keine Angst vor Schwiegermüttern

Quod monacus acquirit …. Tutto per la ditta
Was der Mönch erwirbt….. Alles für die Firma

Clausura ……………………. Il pianeta proibito
Klausur …………………….. Der verbotene Planet

Con l’abito …………………. Tabù
Mit der Ordens-Kut……… Tabu

Senza l’abito ………………… Incognito
Ohne die Ordens-Kutt…… Inkognito

La cella ……………………….. Appartamento con ogni comfort
Die Klosterzelle …………… Appartement mit jedem Komfort

Censura ………………………… Lettere di una sconosciuta
Magister kontrollieren ……. Briefe einer Unbekannten